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Update am 28.03.2020

Kaum aus Thailand von den Flitterwochen zurückgekehrt stelle ich fest, dass die Situation in Deutschland chaotisch geworden ist, dabei befanden wir uns noch ganz am Anfang der Krise. Durch Hamsterkäufe konnten wir nur einen Teil dessen einkaufen, was wir eigentlich gerade benötigen. Da kommt mir beim Bäcker die Idee zu diesem Artikel. Warum? Einfach weil ich einen kleinen Betrag von 3,85€ kontaktlos mit Karte bezahlen konnte. Oft wird ein Mindestbetrag verlangt, der es einen nur bei größeren Beträgen gestattet mit der Karte zu bezahlen. Nun geht eine Zahlung ohne Bargeld plötzlich auch bei kleinsten Beträgen. Ein großer Fortschritt. Trotzdem war es der Auslöser mir Gedanken zu machen, wo ich als Kunde die Möglichkeit habe durch die Digitalisierung die Verbreitung der Infektion zu vermindern. 

Es geht schon länger nicht mehr darum Einzelfälle des Corona Virus (SARS-CoV-2) zu isolieren und die flächenmäßige Ausbreitung zu verhindern. Stattdessen sollen nur noch die Folgen des Ausbruchs gemildert werden. Dazu werden Großveranstaltungen abgesagt, Geschäfte werden gezwungen zu schließen und Consultants wie ich beraten ihre Kunden nur noch aus dem Homeoffice, sofern die Kunden selbst ihren Betrieb aktuell aufrechterhalten können. All das dient dazu, den Anstieg der Fälle zu regulieren. Unser Gesundheitssystem benötigt die Zeit um die Opfer, welche massiv unter dem Virus leiden und entsprechend intensiv betreut werden müssen, auch diese Betreuung zukommen können zu lassen. 

Die wichtigsten Tipps, die derzeit ausgegeben werden und z.T. durch Anordnungen der Behörden eingefordert werden: 

Die wichtigsten Tipps die derzeit ausgegeben werden und z.T. durch Anordnungen der Behörden eingefordert werden: 

  • Kontakt zu Menschenmassen vermeiden – Versammlungen wurden verboten
  • Einen Abstand von mindestens 1,5 Meter zu anderen Personen halten
  • Kontakt vermeiden zu Personen außerhalb des eigenen Hausstandes
  • Oft die Hände waschen
  • Hustenetikette

Bei der Hygiene kann die Digitalisierung nur einen begrenzten Beitrag für den privaten Bereich leisten, wie Seife und Desinfektionsmittel kontaktlos auszugeben. Somit wird die Oberfläche als Ort der Übertragung ausgeschlossen. Doch in welchen Situationen kann die Digitalisierung uns nun weiter unterstützen?

8 Wege das Ansteckrisiko zu minimieren

Kontaktlos bezahlen statt Bargeld

Das auf Geldscheinen und Münzen viele Rückstände gefunden werden können ist bekannt. Wie unter anderem die Welt bereits 2014 berichtete (Unser Geld ist viel dreckiger als gedacht) bieten insbesondere neue Materialien der Geldscheine einen guten Nährboden für Bakterien. Die Übertragung des Corona Virus soll voranging durch Tröpfchen passieren, somit ist anzunehmen, dass auch Geldscheine hierfür einen guten Überträger darstellen. An dieser Stelle eine Stilblüte von Anfang März, sich in einem Supermarktzugetragen hat. Dort waren Kunden verärgert, weil sie die Münzen von der Metalloberfläche der Kasse aufklauben durften. Die Kassierer(innen) in diesem Supermarkt waren aufgefordert, den Kunden das Geld nicht in die Hand zu geben. Ob dies die Chance der Kassiererin, damals noch ohne Handschuhe, sich zu infizieren stark vermindert, darf der geneigte Leser für sich selbst entscheiden.

Um Berührungen und den Kontakt zu unsauberen Oberflächen zu minimieren und dadurch das Kassenpersonal, wie auch mich selbst als Kunden zu schützen, sollten wir kontaktlose Bezahlmöglichkeiten nutzen. Bei kleinen Beträgen die sich über den NFC Chip der EC-Karte, der Kreditkarte oder über Technologien wie Apple Pay und Google Pay bezahlen lassen, ist nicht einmal mehr die Eingabe einer Pin notwendig. Bei größeren Beträgen ist es dann leider doch noch notwendig auf dem Terminal eine Pin einzutippen oder eine analoge oder digitale Signatur zu hinterlassen. Zu guter Letzt wird man in vielen Fällen den Bon mitnehmen, welcher durch das Kassenpersonal übergeben wird. Seit diesem Jahr ist dieser auch für kleine Einkäufe verbindlich.

Nicht ganz so stark verbreitet sind Terminals an denen man selbst die Ware Einscannen und bezahlen kann. Ob es eine gute Alternative ist an einem Terminal wild auf dem Bildschirm herum zu tippen, anstatt an der Kasse bei einer Kassiererin zu bezahlen wage ich nicht vorherzusehen. Die Alternative für den Supermarkt besuch mit dem geringsten Kontakt ist eine Scan-to-Go Funktion. Dies ist jedoch nur selten vorzufinden. Bei Scan-to-Go trägt der Kunde den gereinigten Scanner selbst mit herum ins scanne die Ware, sobald er sie in den Einkaufswagen legt. Zum Ende des Einkaufs braucht der Kunde nur noch an einen Terminal zu bezahlen. Den Bon entnimmt er dabei selbst.

In-App Käufe von Fahrtickets

Wer weiterhin auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen ist und nicht bereits über eine Dauerfahrkarte verfügt, sollte seine Fahrscheine online über sein Mobiltelefon lösen. Neben einigen praktischen Vorzügen wie die Vermeidung von Warteschlangen oder dem Verzicht von Papier das einfach verloren gehen kann, lässt sich hier der Kontakt zu gemeinsam genutzten Oberflächen vermeiden. Alternativ kann die Karte am heimischen PC gebucht und am Drucker als physische Kopie ausgegeben werden. Kontrolleure verlangen aktuell nur noch vereinzelt die Fahrkarte vorgezeigt zu bekommen. In anderen Ländern gibt es Wege Fahrten so zu organisieren, dass alle Ein- und Ausstiege über Terminals abgewickelt werden. Hier besteht noch Optimierungspotential der Abläufe.

Online Shopping statt shoppen gehen

Für viele ist es selbstverständlich ein Buch oder das Outfit im Internet zu bestellen. Doch auch für vielen weitere Lebensbereiche gibt es Onlineshops. So lassen sich selbst Lebensmittel vielerorts nach Hause liefern. Hier gibt es nicht nur die großen bekannten Anbieter. Schauen Sie ob Ihr Regionaler Händler nicht aufgrund der aktuellen Beschränkungen nun ein ähnliches Angebot bietet. So reduzieren Sie den Kontakt deutlich und können trotzdem den Einzelhandel vor Ort unterstützen. Viele Lieferdienste fordern in der aktuellen Situation keine Unterschrift mehr, sondern benötigen stattdessen z.B. Ihr Geburtsdatum. Sollte doch noch eine Unterschrift notwendig sein, wird Ihnen zumindest gestatten das Gerät vor der Unterschrift zu desinfizieren und mit ihrem eigenen Stift zu unterschreiben.

Pakete online frankieren

Zu Ostern werden viele Familien sich nicht sehen können, wenn die bisherigen Maßnahmen wie geplant in Kraft bleiben. Eine alternative ist das Osterkörbchen per Post zu versenden. Entweder kann der Gruß direkt vom Shop aus an die Zieladresse geliefert werden oder mit persönlicher Note von Zuhause aus versendet werden. Wenn Sie ihr Paket von Zuhause aus versenden nutzen Sie doch die Möglichkeit Ihr Paket online zu frankieren. Zusätzlich kann die Sendung in einer Packstation aufgegeben werden. Wer die Sicherheit des Empfängers weiter erhöhen möchte, versendet das Paket sehr zeitig. So kann der Empfänger die Sendung erst einmal beiseitestellen, bis die eventuell vorhandenen Viren auf der Oberfläche inaktiv werden.

WebID statt Filial Besuch

Sie wollen noch einen Vertrag abschließen und müssen sich dazu identifizieren? Dann nutzen sie ein ID Verfahren über das Internet. Vermeiden Sie den persönlichen Kontakt in einem Büro oder die Feststellung der Identität durch einen Postdienst in einer Filiale. So reduzieren sie nicht nur den Kontakt, sondern Ihnen steht in der Regel längere Öffnungszeiten zur Verfügung. Anbieter für Online Ident Verfahren bieten ihren Service oft auch am Abend an. Transaktionszeiten durch den Versand von Dokumenten entfallen. In manchen Fällen müssen sie ggf. noch weitere Unterlagen zur Verfügung stellen, dies ist oft über Datenaustauschdienste oder bereitgestellte Apps möglich.

Krankschreibung telefonisch anfordern

Sollten sie nicht in der Lage sein zu arbeiten, da sie ein grippaler Infekt befallen hat oder sonstige Symptome sie plagen, so ist es den Ärzten in der aktuellen Lage gestattet, Ihnen einfach eine Krankschreibung zukommen zu lassen ohne den Besuch in der Arztpraxis. Dies geht für die Dauer von bis zu 7 Tagen. Eine genaue Diagnose ist ohne Untersuchung zwar nicht möglich, jedoch wir die Ansteckung an neuen Erregern in überfüllten Wartezimmern vermieden. In vielen Fällen lässt sich die Krankschreibung einfach per App an die jeweils zuständige Krankenkasse übermitteln. An den Arbeitgeber muss das Original weiterhin mit der Post versendet werden. Schöner wäre es, wenn der Papierkram endlich komplett entfallen würde und diese Benachrichtigungen direkt digital an die unterschiedlichen Adressaten uns selbst, unserem Arbeitgeber und der Krankenkasse übermittelt würden.

Video Telefonie statt persönlichem Besuch

Persönliche Kommunikation (Face-to-Face) hat eine andere Qualität als die digitalen Alternativen. Gemeinsam verbrachte Zeit formt unsere Beziehungen auf eine besondere Art und Weise und sorgen für bleibende Erinnerungen. Trotzdem sind wir alle unter dem Hashtag #WirbleibenZuhause aufgefordert unsere Mitmenschen und uns selbst zu schützen und persönliche Kontakte so stark wie möglich zu beschränken. Um mehr Reaktionen unserer Gesprächspartner mitzubekommen können wir auch privat Videokonferenzen durchführen, so wie es auch im Beruf der Fall ist. Heute ist dies für jeden erschwinglich und viele Kommunikationsapps die auf unserem Mobiltelefon laufen sind bereits in der Lage diese Funktion anzubieten. Dazu ist keine teure Spezialhardware wie in früheren Jahren mehr notwendig. Anwendungen für den privaten Gebrauch sind zum Beispiel Skype, WhatsApp, der Facebook Messenger, ICQ, FaceTime oder Line, um einige der am häufigsten benutzen Applikationen zu nennen.

Home Office

Eines der Themen zu dem während der aktuellen Pandemie mit am meisten geschrieben wird, wenn es darum Arbeitnehmer zu schützen und Organisationen arbeitsfähig zu halten. In der Vergangenheit waren etliche Organisationen noch zögerlich, wenn es darum ging ihren Mitarbeitern Home Office zu ermöglichen, obwohl die Tätigkeit dies durchaus zuließe. Durch die neue Situation werden auch immer mehr Verfechter von Vor Ort Präsenz dazu gezwungen auf Heimarbeit umzustellen. Somit kann die klare Empfehlung nur sein genau auch dies in Anspruch zu nehmen und die eigenen vier Wänden nicht zu verlassen, sondern von Zuhause aus zu Arbeiten. Die heutigen Breitband Internetanbindungen zusammen mit Leistungsfähiger tragbarer Hardware machen es einfach wie nie zuvor. Digitale Nomaden, welche seit Jahren unseren Globus umreisen haben es uns vorgemacht, wie ortsunabhängig erfolgreich gearbeitet werden kann.

Fazit

Es gibt viele Technologien und darauf basierte Anwendungen, die in der Vergangenheit immer den Beigeschmack hatten, dass sie die Menschen voneinander Distanzieren. Genau jetzt sind es genau diese Technologien und diese Distanz, welche wir nutzen, um die Ausbreitung des Virus zu verzögern. Diese Technologien haben bereits die vergangenen Jahre immer mehr Einzug in unser Leben genommen. Nun ist es Konsequent diese verstärkt zu nutzen, um das beste aus der Situation zu machen. Abhängig davon wie lange diese Situation anhält und wie stark wir uns an diese geänderte Lebensweise gewöhnen wird sicherlich einiges von dem was gerade passiert uns auf lange Zeit treu bleiben.

Verweise:

Bild von Gerd Altmann auf Pixabay